Erste Hilfe und Wege aus dem Trauma  (Trauma Teil 2)

Wenn Sie selbst in Zukunft in eine überwältigende Situation ohne Handlungsmöglichkeit geraten, nehmen Sie sich anschließend, wenn Sie in Sicherheit sind, bitte sofort Zeit, und geben ihrem Körper Gelegenheit, die Schockenergie abzuschütteln, damit diese sich nicht langfristig im Nervensystem festsetzt.

Ihr Körper macht das Richtige ganz von selbst. Er weiß am besten, was er braucht. Sein Selbstregulations-Mechanismus äußert sich z.B. durch unwillkürliches Zittern, möglicherweise auch unwillkürliche Zuckungen einzelner Körperbereiche- oder Gliedmaßen. Es  können auch vorübergehende Kälte- oder Hitzeempfindungen auftreten.

Möglicherweise spüren Sie auch ein Abfließen der Erregungsenergie nach unten, welches in ein tieferes Aus- oder Durchatmen mündet. Wenn Sie achtsam sind, spüren Sie anschließend ein wohliges Einströmen angenehmer Energie, die einen eher beruhigenden oder wohlig belebenden Charakter hat. Geben Sie Ihrem Körper möglichst die Zeit, die er braucht, um den Vorgang abzuschließen.

Vertrauen Sie den Regungen Ihres Körpers! Er versucht lediglich, den in der Erstarrung stecken gebliebenen, unvollzogenen Kampf- oder Fluchtimpuls nachzuholen. Seine nicht abgeschlossene, instinktive Reaktion auf eine Bedrohung, vervollständigen zu können, um die im Nervensystem umher irrende Überlebensenergie, aus dem System raus fließen zu lassen.

Hilfe für Ihren Körper
unmittelbar nach einem überwältigenden Ereignis

Legen Sie sich z.B. auf dem Boden, auf den Rücken, warten eine Weile, bis Ihr Körper beginnt, sich selbst zu entlasten. Achten Sie darauf, genug Platz um sich herum zu haben, damit durch eventuelle Zuckungen einzelner Gliedmaßen, keine Verletzungsgefahr an Gegenständen besteht.

Oder setzen Sie sich aufrecht mit angelehntem Rücken auf einen Stuhl so, dass Oberkörper und Oberschenkel im rechten Winkel zueinander stehen. Gleiches gilt für Oberschenkel und Unterschenkel. Die Fußsohlen haben dadurch besseren Kontakt zum Boden. Und Sie nehmen einfach wahr, wie es sich anfühlt. Warten Sie ab, was Ihr Körper gerade braucht, lassen Sie ihn tun, was er tun will.

Dabei lenken Sie selbst, Ihre Aufmerksamkeit immer wieder zum Kontakt Ihrer Fußsohlen zum Boden. Spüren Sie nach, ob es möglicherweise einen Unterschied zwischen linkem und rechtem Fuß, in Bezug auf den Bodenkontakt gibt. Wenn dies so ist, registrieren Sie es einfach, ohne es zu bewerten. Werden Sie lediglich zum wertungsfreien Beobachter des Geschehens in Ihrem Körper.

Geben Sie Ihrem Körper auch Raum, wenn seine Erregung abfließen will, bis Sie das Gefühl haben, ja, jetzt ist es gut. Mag sein, dass all dies mit einem unwillkürlichen, tieferen und entspannenden Atemzug ihrerseits einher geht. Lassen Sie es geschehen.

Atmen ist ganz wichtig,
oft vergessen wir nach überwältigenden Ereignissen das Atmen.

Wir halten unbewußt unseren Atem an. Beobachten Sie das mal. Wenn Ihnen bewußt wird, ich atme gerade nicht, nehmen Sie es einfach wahr, beobachten wie es ist, was es mit Ihrem Körper macht und anschließend nehmen Sie langsam einen tiefen Atemzug. Beobachten Sie auch hier wieder, was sich während des Atemzugs in Ihrem Körper regt.

Atmen bringt alles in Fluss, ist Lebensenergie, die Bewegung in den Körper bringt.

Anschließend lenken Sie in gleicher Weise Ihre Aufmerksamkeit in Ihr Gesäß/ Becken und nehmen hier den Kontakt zwischen Gesäß und Sitzfläche wahr. Es ist gut möglich, dass Sie Ihre Sitzhöcker wahrnehmen können oder auch nicht, was auch in Ordnung ist.

Häufig gibt es auch hier einen Unterschied in der Form, dass Sie einen Ihrer Sitzhöcker vielleicht stärker wahrnehmen, als den anderen.

Auch hier beobachten Sie wieder, ohne zu werten und lassen geschehen, was Ihr Körper für richtig hält. Es ist möglich, dass Sie im Beobachten irgendwann wahrnehmen, wie der Kontakt zwischen Gesäß und Sitzfläche deutlicher und/ oder tiefer wird.

Absichtslosigkeit in der Beobachtung ist ein
Schlüssel zur Selbstheilung.

Möglicherweise macht sich, während Sie beobachten, auch ein Ausdehnungsempfinden und Gefühl von mehr Raum im Beckenbereich bekommen breit, mit einem Gefühl von woff, ich sitz jetzt hier mit einem satten, sicheren und irgendwie getragenen Empfinden auf der Sitzfläche. Sie trägt mich, wie schön.

Mir kommt dabei manchmal das Empfinden und Bild einer Big Mama, die gerade satt und gewichtig mit ihrem breiten Hintern, auf der Sitzfläche ankommt. Parallel dazu entlädt sich wieder ein Teil der eingefrorenen Energie aus Ihrem Nervensystem. Lassen Sie es einfach wieder zu und beobachten, was in Ihrem Körper noch passiert.

Die Absichtslosigkeit in der Beobachtung
ermöglicht Veränderungen im Körper,
der sich damit selbst reguliert.

Nun gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit zu Ihrem Rücken und spüren dem Kontakt von Rücken und Stuhllehne wahr, auch hier wieder beobachten, was sich im Körper währenddessen regt und geschehen lassen, einfach wahrnehmen ohne zu bewerten.

Ihr Körper weiß genau, wann es genug ist. Er wird sich dann von selbst wieder beruhigen. Das Abschütteln der Traumatisierungsenergie aus dem Nervensystem erfolgt in eher sanfteren, wellenartigen Bewegungen im körpereigenen Rhythmus. Dies ist die sicherste Möglichkeit, sich selbst vor Spätfolgen zu schützen.

Grundsätzlich gilt:  Je eher nach dem Ereignis Ihr Körper diese Möglichkeit der
                            „Selbstregulation“ hat, um so geringer das Risiko möglicher Spätfolgen!

Also noch mal, Zittern oder Zucken auf keinen Fall unterdrücken, sondern zulassen. Andernfalls unterdrücken Sie die körpereigenen Selbstheilungskräfte.

Dem Körper vertrauen!!!

Sollten Sie sich damit überfordert fühlen, bitten Sie eine Person ihres Vertrauens, um Beistand oder noch besser, holen Sie sich professionelle Hilfe. Allerdings haben Traumatherapeuten mit Kassenzulassung viel zu lange Wartezeiten (12 bis 18 Monate).
Um genau diese Lücke zu schließen, bin ich da.

Ihr Körper wird Ihnen auch signalisieren, welche der o.g. Möglichkeiten er im Moment, für die bessere Variante hält. Sie können sein Signal durch ein kurzes, wohliges Empfinden von „Stimmigkeit“ wahrnehmen, wenn er einverstanden ist.

Nehmen Sie sich Zeit, alle Möglichkeiten der Förderung der Selbstregulation nacheinander durchzuspüren, in dem Sie 1-2 Minuten an die jeweilige Möglichkeit, auch professioneller Hilfe denken und jedesmal abwarten, wie Ihr Körper antwortet.

Erdung, Erdung und nochmals Erdung

Falls Sie Anzeichen von Überforderung während der Selbstregulation Ihres Körpers empfinden, nehmen Sie auch dies bitte unbedingt ernst. In dem Fall wäre es sinnvoll, etwas zu tun, was Ihnen gut tut und Sie erdet.

  • Gartenarbeit oder irgend etwas, was Ihrem Körper gut tut. 
     
  • Oder gönnen Sie sich z.B. ein Bad (vorausgesetzt Sie baden gern) oder nehmen Sie sich Zeit zum Duschen.
     
  • Massieren oder kneten Sie Ihre Arme oder Beine mehrmals, streichen Sie mit Ihren Händen entlang der Außenseiten Ihres Körpers. Z.B. Ihrer Beine, von unten nach oben, um Ihre Körpergrenzen zu spüren und wieder im Körper anzukommen. (Stichwort Verlust der Grenzen durch Grenzüberschreitung von außen in der überwältigenden Situation).
     
  • Diese Form der Selbstberührung hat den zusätzlichen Effekt, die verlorenen eigenen Körpergrenzen zu spüren und damit ein Stück weit, wieder herzustellen.
     
  • Oder machen Sie einen schönen Spaziergang.
     
  • Yoga-Übungen oder Walken an der frischen Luft ist immer gut.

In dieser Weise auf die Körperebene zu gehen, erdet Sie, holt Sie ins Hier und Jetzt zurück, aus einer momentanen Überforderung raus, bringt Ihre Energie aus dem Kopf, wieder zurück in den Körper, verhindert die unbewußte Flucht aus dem Körper und damit das Abdriften oder Dissoziieren.
 

Achtsames Sprechen als Selbstschutz

Es ist natürlich wichtig, mit anderen Menschen über eine überwältigende Erfahrung, sprechen zu können. Darin liegt jedoch immer auch die Gefahr, einer erneuten Reaktivierung des Nervensystems, da man während des Berichtens verständlicherweise erregt ist und diese Erregung, sich im Wiedererinnern und Aussprechen multipliziert.

Auf diesem Hintergrund wäre es von Vorteil nur wenigen Personen, die Geschichte zu erzählen. Auch, wenn in Ihnen vielleicht etwas danach drängt, drüber zu sprechen, Sie tun sich mit schnellem Sprechen keinen Gefallen und riskieren jedes Mal, eine Re-Traumatisierung!!!

Schützen Sie sich - wenn es Ihnen rechtzeitig einfällt - selbst, indem Sie sich detaillierte Beschreibungen eher aufheben, für Gespräche mit professioneller Hilfe.

Ihr Körper braucht Zeit

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das Erzählen im Körper, die im Nervensystem gebundene Energie hoch schaukeln kann. Ebenso, wie das Erzählen sich – angetrieben von der mächtigen, im Nervensystem gebundenen Überlebens-Energie - vom Tempo her verselbständigen kann und man selbst, es kaum noch zu stoppen schafft.

Die hochgradige Erregung im autonomen Nervensystem führt zu „hohe Drehzahlen“ im Kopf und entlädt sich im Sprechen so, dass man die Steuerung darüber verlieren kann und sich selbst danach, wie ausgelaugt fühlt.

Wenn Sie drüber sprechen, bitte so langsam, wie möglich,

                                           damit Ihr Körper noch mit kommt!!!

Schnelles Sprechen, was dem Leidensdruck entsprechend, zwar menschlich ist – verhindert, dass der Körper es schafft, die hohe Erregung zu halten, und langsam rausfließen zu lassen.

Menschen neigen nach überwältigenden Erfahrungen kompensatorisch (= ausgleichend - hier, um unangenehme Körperempfindungen oder Gefühle, nicht spüren zu müssen) dazu, sehr in den Kopf zu gehen. Durch schnelles Sprechen über ihre bedrohliche Erfahrung, verlieren sie jedoch ihre Verbindung zum übrigen Körper - und damit blitzartig auch ihre Bodenhaftung.

Es entsteht eine Trennung zwischen Kopf und Körper.
Dabei kann es zu Verspannungen im Nackenbereich kommen, da dieser Bereich eine Art Schnittstelle zwischen Körper und Kopf ist und daher, besonders in diesem Bereich, die Gefühle kompensiert werden.

Diese Trennung entsteht grundsätzlich, wenn wir sehr schnell sprechen.
In diesem Fall haben wir keinen Kontakt, zu unserer inneren Mitte, womit uns jegliche Erdung verloren geht.

Erdung ist der wichtigste Halt zur Selbstregulation

Doch Erdung ist gerade für traumatisierte Menschen, der wichtigste Halt, den sie brauchen, um nicht über ihren Kopf, nach oben und aus dem Körper raus, abzudriften. Ein vorübergehender Zustand, in welchem die Seele, den Körper verlassen hat und außerhalb schwebt.

Ein durchaus sinnvoller Schutzmechanismus in einer überwältigenden Situation, im normalen Alltag eher hinderlich.

Ein Zustand, verbunden mit einer Art Vernebelung des Bewußtseins, der in einer akuten Bedrohungssituation, handlungsunfähig macht. Man bekommt zwar um sich herum alles mit, kann sich aber möglicherweise nicht bewegen oder auch nicht sprechen. Man will es vielleicht tun, doch es funktioniert nicht, weil der Körper nicht mit macht, da eine kurzfristige, vorübergehende Lähmung durch Ausschüttung körpereigener Endorphine eingetreten ist die, die Selbststeuerung verhindert. Es kann tatsächlich auch vorkommen, dass das Sprachzentrum im Gehirn, vorübergehend ausfällt.

Damit Sie, während erregten Erzählens, besser geerdet sind, achten Sie unbedingt auf gute Bodenhaftung mit den Füßen. So, dass Ihre kompletten Fußsohlen, Kontakt zum Boden haben.

Es kann hilfreich sein, zwischendurch nur mit den Fersen einige Male im Wechsel, auf den Boden zu Stampfen. Der vordere Fuß bleibt dabei auf dem Boden.

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Mögen Ihnen diese Infos für den Notfall hilfreich und Ihrer Gesundheit dienlich sein.

Als es mich vor 9 Jahren erwischt hat, gab es leider keine nützlichen Informationen für mich. Ich wußte gar nicht, was da in meinem Körper passierte und ebensowenig, an wen ich mich damit wenden konnte.

Damals mußte ich sehen, wie ich - im Jahr nach den überwältigenden Erfahrungen auf der Beziehungsebene, als Teilnehmerin in meiner 1. Therapeutischen Ausbildungsgruppe - selbst klar kam, mit einer Vielzahl von Symptomen und Syndromen, einschließlich starker Schmerzen. Das war die Hölle.

Heute weiß ich durch die Arbeit mit neutralen Therapeuten, dass die Ausbildungsleitung, sich hätte schützend vor mich stellen müssen, was jedoch ausblieb.

Statt dessen schob man mir die Verantwortung für alles zu, was allein schon aus tiefenpsychologischer Sichtweise gar nicht möglich ist.
Das war - nach Aussage eines Anwalts - Mobbing auf höchster Stufe.
Doch da war es leider zu spät, um rechtlich noch etwas zu bewirken.

Ich wünsche mir, dass dafür Sie, als möglicherweise selbst betroffene Person, ein wenig von dem profitieren können, was ich Ihnen hier an eigenen Erfahrungen weiter geben konnte.

Einerseits durch meine intensive Auseinandersetzung und Erfahrung mit den neueren Ansätzen der Traumatherapie, besonders durch die von mir absolvierte dreijährige Zusatzausbildung in Somatic Experiencing® – körperorientierte Traumatherapie.

Vielleicht können Sie ja nun auch andere Betroffene aus Ihrem näheren Umfeld, ein wenig unterstützen oder mich empfehlen, damit ich ihnen weiter helfen kann.

Das wäre der einzige Sinn, den ich in meinen selbst erfahrenen Traumata sehen könnte.

Bitte auch unter Somatic Experiencing nachlesen.


© Copyright Christiane Neidel

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